Nachhaltiges Lernen ermöglichen

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Wissen aktiv anzuwenden bedeutet kompetenzorientiertes Lernen. 

Wissen in Isolation

Kennt ihr auch aus eurem Berufsalltag Lernende, die z.B. Vokabeln im Schlaf beherrschen, aber trotzdem nicht in der Lage sind, sie in einer Konversation zu nutzen? Oder die lineare Gleichungen ohne Probleme lösen können, aber nicht in der Lage sind, ihr Wissen auf Anwendungsbeispiele aus der Praxis oder Textaufgaben zu übertragen?

Wenn Lernende zwar in der Lage sind, ihr Wissen abzurufen und zu reproduzieren, es aber nicht in verschiedenen Handlungssituationen aktiv nutzen können, spricht die Wissenschaft von “trägem Wissen”. Träges Wissen geht jedoch schnell wieder verloren und hilft den Lernenden nicht nachhaltig dabei, ihren Alltag und ihre Zukunft zu gestalten.

Wie kann also träges Wissen in nutzbares Wissen, also in echte Kompetenz, umgewandelt werden? 

Wissen wird in Form eines Wissensnetzwerks in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert. Das Wissensnetzwerk können wir uns dabei vorstellen wie eine Concept-Map, in der Wissenselemente (Begriffe, Konzepte) miteinander verbunden sind. Mit jedem Lernvorgang werden über unser Wissensnetzwerk neue Wissenselemente gespeichert und Verbindungen zwischen Wissenselementen hinzugefügt. Je vernetzter das Wissensnetzwerk im Langzeitgedächtnis ist, d.h. je mehr Verbindungen zwischen Wissenselementen bestehen, desto besser und flexibler können Informationen abgerufen werden. 

 

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Quelle: Jennifer Steckel, Universität Wuppertal

 
Nachhaltige Kompetenzentwicklung aktiv fördern

Wenn Lernende in unterschiedlichen Handlungssituationen und in verschiedenen Kontexten Lernerfahrungen erleben, verstärkt sich der Vernetzungsgrad. Ihr Wissensnetzwerk erfährt diverse Impulse zu den Lerninhalten, die sich im Langzeitgedächtnis festigen.

Quelle: Jennifer Steckel, Universität Wuppertal
Quelle: Jennifer Steckel, Universität Wuppertal

 

Als Lernbegleitende können wir diese Kenntnis aktiv für uns nutzen – zum Beispiel durch das Schaffen von Lernsituationen, in denen Lernende dazu herausgefordert werden, Gelerntes und Wissen in konkreten Handlungssituationen anzuwenden. Werden Lernende z.B. mit einem offenen Problem oder Fragestellungen aus unterschiedlichen Kontexten konfrontiert, so werden die darin enthaltenen Informationen mit dem Wissensnetzwerk in ihrem Langzeitgedächtnis abgeglichen und miteinander vernetzt. 

Was wir brauchen sind vielfältige Anwendungskontexte für fachliches Wissen. Dazu zählen innerfachliche wie auch außerfachliche Kontexte. Nur durch das Schaffen vielfältiger Lernsituationen können wir es schaffen, Kompetenz und nicht nur träges Wissen zu erzeugen.

Fachübergreifende Projekte, Werkstätten aber auch offene Fragestellungen sind tolle Ansätze, die viele mit Scobees arbeitende Schulen und Organisationen in diesem Zusammenhang bereits erfolgreich einsetzen. Auch die Herausforderungen des Homeschooling haben sich viele zunutze gemacht, zum Beispiel um Kommunikations- und Reflektionsstrukturen gemeinsam mit Lernenden weiter zu entwickeln.

Im nächsten nächsten Blogbeitrag gehen wir näher auf den Aspekt der Zukunftskompetenzen ein, und beschäftigen uns mit dem Thema: Wie sehen kompetenzorientierte Lernsituationen eigentlich für eine zeitgemäße Lehr- und Lernkultur?

Was uns jetzt noch interessiert: Durch welche Ansätze habt ihr schon besonders gute Erfahrungen mit nachhaltiger Kompetenzentwicklung gemacht? 

Wir freuen uns auf Eure Erfahrungsberichte!