Was ist Lerncoaching

Allgemein lässt sich Coaching als Beratungsform beschreiben, deren Ziel die persönliche Entwicklung ist. Das zentrale Thema beim Lerncoaching ist das individuelle Lernen – dabei bezieht sich Lerncoaching in erster Linie auf die Ebene der Lernprozesse und weniger auf die Ebene der fachlichen Inhalte. Im Fokus steht also weniger WAS ich lerne, sondern WIE ich es lerne und wie ich als Lernender meine Ziele erreiche. 

“Lerncoaching ist eine spezifische Beratungsform, die auf die Optimierung von Lernprozessen gerichtet ist. Zu diesem Zweck wird im Lerncoaching mit der Gesamtpersönlichkeit der Lernenden gearbeitet.” (Vgl., Nicolaisen, Lerncoaching-Praxis)

Das Lerncoaching bietet Unterstützung, Lernprozesse zu planen, zu gestalten und zu bewerten. Lehrpersonen werden zu Lernprozessbegleitern oder Lernberater. Ihre Aufgabe beim Coachen: Nicht die Wissensvermittlung, sondern die Lernförderung, also Lernende wirksam begleiten und unterstützen.

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Für Schüler und Schülerinnen bedeutet das: sie lernen selbstgesteuert und managen ihren Lernprozess eigenverantwortlich. Im Vordergrund stehen dabei Ihre Fähigkeiten und Ressourcen, nicht die Defizite.

Klingt toll, oder? Ist es auch! Voraussetzung für das Lerncoaching ist also das richtige Lernsetting. Wer ausschließlich frontal unterrichtet, muss sich eigentlich nicht um Lerncoachings bemühen, da Schüler:innen in dieser Unterrichtsform keine Entfaltungspotentiale geboten werden. Wer es aber im Lernsetting zulässt, dass Schüler:innen selbstständig arbeiten hat durch Lerncoachinggespräche zum einen die Möglichkeit Schüle:innen individuell zu fördern und gleichzeitig im Blick zu haben, wo sie stehen. So können Lehrpersonen sicherstellen, dass alle Schüler:innen mitkommen. 

Und wer jetzt denkt, dass sich das garnicht leisten lässt im Schulalltag, da es viel zu viel Zeit braucht: Hier ein paar Fallbeispiele. Spoiler: 10 Min die Woche pro Kind reichen schon aus für eine aktive und wirksame Lernbegleitung.   

Wie genau so ein gecoachter Lernalltag aussieht, könnt ihr hier sehen

“Wie wird's gemacht?”:

An unserer Partnerschule – der Prismaschule Langenfeld – beruft man sich auf dieses Selbstverständnis. Lehrer werden hier weniger als Lehrkraft, sondern vielmehr als Schatzsucher betrachtet – ein schöner Begriff, wie wir finden.

“Wir wollen alle SuS individuell fordern und fördern” – genau das, was Lerncoaching beinhaltet.

Auch die Gesamtschule Höhscheid in Solingen- sagt: “Wir alle fühlen uns für lösungsorientierte und systemische Beratung verantwortlich.”

> Mehr zum Beratungskonzept der Schule

Schon im Schuljahr 2015/16 hat sich die Schule, um Schulleiter Dirk Braun, intensiv mit dem Thema LERNCOACHING auseinandergesetzt.

Denn: Der klassische Elternsprechtag wird dem allein nicht gerecht. Natürlich besteht er auch hier nach wie vor – ist aber eben auch oft negativ behaftet. Der Lehrer versucht Eltern in relativ kurzer Zeit ein Feedback zu geben und oft kommen dabei einfach zu viele defizitorientierte Themen auf den Tisch.

Um die Beratungsaufgabe rechtzeitig und regelmäßig wahrzunehmen, gibt es deshalb  zusätzliche Beratungstage für SuS und Eltern. Die Beratungstage sollen als Ritual für alle gelten, mit dem Ansatz lösungsorientiert an der Lernkompetenz zu arbeiten.

Außerdem im Unterrichtsalltag integriert ist das Kurzcoaching im Unterricht und das so genannte “Coachingbüro”.

Bleibt die Frage nach dem WIE – und hier kommt Scobees ins Spiel:

Wie kann Scobees helfen, das Lernen zu lehren? Mit dieser Frage setzen wir uns aktuell intensiver denn je auseinander.

Dazu gehören neue Funktionen, die es noch einfacher ermöglichen, dass Lernende ihre Lernschritte altersgerecht organisieren können. Gleichzeitig wollen wir für Lehrpersonen eine individuelle Lernbegleitung niederschwellig umsetzbar machen.

Lerncoaching digital – das bedeutet: Scobees unterstützt das begleitete Lernen auf allen Ebenen, bei jedem Schritt des Lernens.

Wenn wir von Lernchoaching sprechen sind Lehrkräfte keine Bewerter oder Pauker. Sie sind Begleiter und Berater. Lehrkräfte brauchen aber einen tiefen Einblick in das Lernverhalten der Lernenden, um hier beraten zu können. Lehrkräfte müssen letztlich das Lernverhalten von jedem einzelnen SchülerIn verstehen. Nur dann können sie auf den Lernenden individuell eingehen und mit ihm gemeinsam herausfinden was der Lernende gut kann und wie er sich noch verbessern kann. Die Umsetzung übernehmen die SchülerInnen dann im Idealfall selbst. Doch was sind das für Informationen, die benötigt werden, um ein Kind zu beraten? Die Lehrkraft muss letztlich feststellen, womit Lernende gut zurecht kommen, womit sie sich wohl fühlen & was ihnen Spass macht. Diese Informationen muss eine Lehrkraft sammeln und dann gemeinsam mit den Lernenden in persönlichen Gesprächen auswerten. Zusammen überlegen Lehrkraft und SchülerIn eine geeignete Lernstrategie. Die Vorteile dieses Vorgehens sind zum einen, dass die Lernenden ihr Lernen ganz bewusst reflektieren, d.h. sie schätzen ihr Lernen selbst ein und geben auch Aufschluss über ihre aktuelle Gefühlslage. Zum anderen entsteht durch das gemeinsame Analysieren und den intensiven Austausch, der die Grundlage dieser Feedbackkultur ist, eine gute und enge Beziehung zwischen Lehrkräften und SchülerInnen. 

SICH ZIELE SETZEN

“Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.” (Philosoph Laotse 600 Jahre vor Christus)

Ganz ehrlich -jeder von uns weiß, dass das auch mal nerven kann. Manchmal fällt es leichter, das Ziel erstmal auszuklammern und loszulegen … dann kommt man schon irgendwo an. Stimmt – aber eben auch nur irgendwo. 

Zu einem guten Plan gehören immer auch Ziele.

Schüler/innen, die mit Scobees lernen, definieren im Tool eigenständig ihre individuellen Lernziele. 

Wer sich Zeit nimmt, eigene Ziele zu definieren, strukturiert und dokumentiert den eigenen Lernprozess. Ein Ziel, dass ich erreiche zeigt mir, dass ich etwas geschafft habe. Auch ein Ziel, dass ich nicht erreiche hilft mir Prozesse zu überdenken. In beiden Fällen lerne ich daraus. 

Bei uns sieht das dann so aus:

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Im Sinne des digitales Lerncoachings bietet Scobees Platz, ein Wochenziel zu definieren und klar zu formulieren – nicht nur der der Lernende hat es jetzt immer im Blick, auch der Lehrende.

Unter dem “Jahresziel” können globalere Vorsätze festgehalten werden.

LERNEN REFLEKTIEREN

Ein wichtiger Einfluss für das Gelingen von Lernen ist eine offene und transparente Kommunikation. Wenn wir von “coachen” sprechen impliziert dies auch, mit dem Lernenden in Kontakt, also miteinander im Austausch zu sein. Was sonst schnell mal hinten überfallen kann, ist das persönliche Befinden des Schülers/ der Schülerin. Wie geht es ihm/ihr? Was hat wie gut geklappt? 

“Lerncoaching geht in starkem Maß auf das innere Erleben des Lerncoachee ein – stärker als dies in einer herkömmlichen Klassensituation in der Regel möglich ist.” (Vgl., Nicolaisen, Lerncoaching-Praxis)

Auch für den Lernenden selbst ist es hilfreich sich seiner Gefühle bewusst werden. Nur dann gelingt es zu reflektieren, daran zu arbeiten und ggf. auch etwas zu ändern.

LERNEN REFLEKTIEREN

Im Sinne des digitales Lerncoachings bietet Scobees Platz, ein Wochenziel zu definieren und klar zu formulieren – nicht nur der der Lernende hat es jetzt immer im Blick, auch der Lehrende.

Unter dem “Jahresziel” können globalere Vorsätze festgehalten werden.

 

Ein wichtiger Einfluss für das Gelingen von Lernen ist eine offene und transparente Kommunikation. Wenn wir von “coachen” sprechen impliziert dies auch, mit dem Lernenden in Kontakt, also miteinander im Austausch zu sein. Was sonst schnell mal hinten überfallen kann, ist das persönliche Befinden des Schülers/ der Schülerin. Wie geht es ihm/ihr? Was hat wie gut geklappt? 

“Lerncoaching geht in starkem Maß auf das innere Erleben des Lerncoachee ein – stärker als dies in einer herkömmlichen Klassensituation in der Regel möglich ist.” (Vgl., Nicolaisen, Lerncoaching-Praxis)

Auch für den Lernenden selbst ist es hilfreich sich seiner Gefühle bewusst werden. Nur dann gelingt es zu reflektieren, daran zu arbeiten und ggf. auch etwas zu ändern.

Meine Wochenreflektion:

Mit was für einem Gefühl habe ich mich an eine Aufgabe gesetzt, mit welchem Gefühl hat mich eine Aufgabe zurückgelassen? Bin ich zufrieden, enttäuscht, ratlos, haben sich weitere Fragen ergeben? All das lässt sich in der Wochenreflektion digital dokumentieren. 

“Wie war deine Woche?” Genau das wollen wir bei Scobees wissen und veranschaulichen – für beide: für den Schüler/die Schülerin selbst und seinen Lehrer/seine Lehrerin.

Jede/r Schüler/in kann hier sein/ihr Arbeitsverhalten, die Selbstorganisation, das Regelverhalten und eigene Sozialverhalten selbst einschätzen. 

Unter den Punkten “Darauf bin ich stolz” und  “Das hat diese Woche gut geklappt” kann der/die Schüler/in positive Lernerfolge frei festhalten. Hier liegt der Fokus ganz bewusst auf bereits geschafften Lernschritten und -erfolgen. 

“Das möchte ich verbessern” und “Die Frage habe ich noch” stellt einen direkten Kontakt zur Lehrperson her. Bevor aufgekommene Fragen vergessen werden oder aber zu Unzufriedenheit führen, gibt es hier die Möglichkeit sich auszutauschen, sich beraten und unterstützen zu lassen. 

In der Zusammenfassung – den Punkten “Meine Stimmung diese Woche” und “Selbsteinschätzung diese Woche”- wird deutlich, wie zufrieden der Schüler/die Schülerin in dieser Woche ist und wie sich der/die Lernende -differenziert nach Fach- selbst eingeschätzt hat. 

Kontinuierlich bezüglich des Lernprozesses im Austausch zu stehen, schafft eine vertrauensvolle Beziehung. Wenn Schülerinnen und Schüler die Rückmeldung geben, sich nicht mit einer Aufgabe wohl gefühlt zu haben, so muss darauf alsbald eine Reaktion von der Lehrkraft erfolgen. Erforderlich ist also, gerade wenn Schülerinnen und Schüler selbstständig lernen, dass sie trotzdem das Gefühl haben, gehört zu werden. 

Um das zu gewährleisten, haben die Schulen, die sich für offene Lernformate entschieden haben, Lerntagebücher eingeführt. Hier dokumentieren die Lernenden ihren Lernfortschritt. Lehrkräfte schauen sich das Ganze an. Klar, wenn man sich in 20 Minuten 30 Lerntagebücher anschaut, kann da auch das eine oder andere durchrutschen. 

Sicherlich erleichtern digitale Lernplattformen die Arbeit, indem sie Lernfortschritt, Arbeitsergebnisse, Reflexion und Feedback in Zusammenhang bringen und transparent machen. Damit wird die Arbeit der Lehrkräfte erleichtert und die Grundlage für den Austausch zwischen dem Lernenden und der Lehrkraft geschaffen

Egal in welchem Alter – lernen zu reflektieren hilft immer und jedem. In der Grundschule wird die Wochenreflektion noch ganz oft praktiziert, je älter die Schüler*innen werden und desto mehr Unterrichtsstoff dazu kommt, desto weniger Zeit wird sich oft für die Evaluation des Lernprozesses genommen. Die Wochenreflektion bei Scobees -als ein zentraler Aspekt des Lerncoachings- ist für alle Lernenden – egal welchen Alters. 

LERNBÜRO

Was ist das?

“Ein Lernbüro ist eine didaktische Organisationsform für selbstorganisiertes Lernen.”

Der Unterricht ist nicht lehrerzentriert, sondern der Lehrer betreut das Lernen der Schüler. Das Lernbüro bzw. die Schule stellt die Lernmittel und die zu erlernenden Themen bereit. Die Schüler bestimmen die Lerngeschwindigkeit und Schwierigkeitsgrad der Aufgaben in vorgegebenen Grenzen individuell. Der Lehrer fungiert als Coach..

Wie funktioniert es in der Praxis?

Wir arbeiten mit Schulen zusammen, die in offenen Lernformaten unterrichten. In Schulen mit einer Lernlandschaft lernen z.T. 100 Schülerinnen und Schüler in großen, offenen Räumen. Sie lernen selbstorganisiert mit differenzierten Lernmaterialien. Jedes Kind lernt in seinem Tempo und auf seinem Lernniveau. Die Basis für das “Funktionieren” dieses Systems liegt im persönlichen Austausch zwischen Lehrkraft und SchülerIn. Lehrkräfte schauen sich im regelmäßigen Abstand und in Abstimmung mit den Kollegen die Lernergebnisse an, geben individuell Feedback und Anregungen für das weitere Lernen. Jeder SchülerIn wird individuell auf seinem Lernweg betreut. Zeit für Reflexion und die individuelle Betrachtung des Lernens gibt es in Lernberatungsgesprächen. Die Transparenz im Lernprozess und die offene Kommunikation zahlen sich durch Motivation und Lernbereitschaft der Lernenden aus. 

Bsp. Schülerin Anna / 5. Klasse / Richtsberg Gesamtschule Marburg 

”Naja, wenn ich mal nicht gut drauf bin, dann mache ich erstmal die Aufgaben die mir leichter fallen. Klar muss ich den Rest auch noch machen, aber das mache ich dann einfach später.” 

Anna lernt in einer Schule, die mit offenen Lernformaten arbeitet. Anna kam nicht zufällig in diese Schule. Es war eine bewusste Entscheidung, nicht nur eine Entscheidung, sondern ein Wunsch. Ich frage sie, warum sie sich für einen Wechsel in diese Schule mit offenen Lernformaten entschieden hat. Sie erzählt mir, wie es den Lehrkräften an der anderen Schule nicht gelungen ist, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. In Mathe ging es ihr oft zu schnell und trotzdem wurde im Stoff einfach weiter vorangeschritten. Da hat sie sich nicht gut aufgehoben gefühlt.

Hinreißend ehrlich und so einleuchtend war Annas Antwort darauf, was ihr denn besser gefällt an einem offenen Format wie im Perlenwerk: ”Naja, wenn ich mal nicht gut drauf bin, dann mache ich erstmal die Aufgaben die mir leichter fallen. Klar muss ich den Rest auch noch machen, aber das mache ich dann einfach später.” 

Ist ja klar, auch Schülerinnen und Schüler sind nur Menschen mit guten und schlechten Tagen. Darauf kann in einem klassischen System keine Rücksicht genommen werden.